Die Brüder Grimm sind in der populären Erinnerung vor allem wegen ihrer Märchensammlung und ihres Deutschen Wörterbuchs präsent. Ihr Werk ist aber wesentlich umfangreicher und steht am Beginn mehrerer neuzeitlicher Wissenschaftszweige: Erzähl- und Mythologieforschung, Sprach- und Geschichtswissenschaft, Ethnologie und Rechtsgeschichte. Effektive historisch-philologische Arbeitsweisen halfen den Brüdern Grimm maßgeblich dabei, diese vielfältigen und großen Wissensgebiete zu beforschen. Der Vortrag führt in den größten, bislang aber am wenigsten bekannten Teil des Grimm-Nachlasses ein: in ihre wissenschaftlichen Arbeitsmaterialien – Notizen auf Zetteln und in Heften, Exzerptsammlungen, Werkmanuskripte und Arbeitsspuren in Büchern. Eng am Material dieser kleinen philologischen Gebrauchsformen lassen sich Methodik, Wissenstopik und Arbeitspraktiken der frühen Germanistik exemplarisch bis ins Detail rekonstruieren.