So. 01.11. 16:00 Uhr

Erzählcafé: Opa war (k)ein Nazi? Austausch zum schwierigen Umgang mit NS-Geschichte in den Familien der Deutschen

Wie eng war die eigene Familie mit dem NS-System verstrickt? Eine einfache Frage – und doch eine, die sich oft nur schwer beantworten lässt. Denn wenn wir nach der Rolle der eigenen Familie im Nationalsozialismus fragen, stoßen wir schnell auf Widersprüche, Lücken und Geschichten, die kaum hinterfragt wurden. Manche erzählen von Menschen, die »nichts damit zu tun hatten«, andere von Widerstand oder Verfolgung. Dazwischen liegen viele Grautöne: Mitmachen, Wegschauen, Mitwissen, Profitieren oder alltägliche Anpassung – und oft genug auch Täterschaft.

Nur noch wenige Angehörige der Generation, die den Nationalsozialismus selbst erlebt hat, können heute direkt befragt werden. Was bleibt, sind Briefe, Fotos, Dokumente, Familienalben – und oft auch das, was nicht erzählt wurde. Über Jahrzehnte können sich Familiengeschichten verfestigt, ausgeschmückt oder beschönigt haben. Manches wurde verschwiegen, anderes geriet in Vergessenheit. Wie lässt sich mit solchen Leerstellen umgehen? Was tun, wenn die eigene Familie stärker in das NS-System verstrickt war, als man bisher dachte? Und wie lassen sich Familienerinnerungen von historisch belegbaren Fakten unterscheiden?

Unser diesjähriges Erzählcafé bietet einen Rahmen, um solche Fragen, Erfahrungen und Funde miteinander zu teilen. Es geht nicht darum, vorschnell zu urteilen, sondern gemeinsam nachzuforschen, Erinnerungen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Auch im zuvor präsentierten Portal der Süddeutschen Zeitung kann weiter recherchiert werden. Die dort gewonnenen Erkenntnisse und offenen Fragen können Anlass sein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Einführung und Moderation:

+ Dr. Agnès Arp ist Historikerin und Co-Leiterin der Oral History Forschungsstelle der Universität Erfurt. Sie betreut regelmäßig Erzählcafés zu zeitgeschichtlichen Themen und andere Formate des Austauschs mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

+ Dr. Sabine Moller ist Historikerin, gehörte neben Harald Welzer und Karoline Tschuggnall 2002 zu den Autor:innen des Buchs »‚Opa war kein Nazi› Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis«. Heute leitet sie die »Werkstatt 20. Jahrhunderts«, den zentralen Ort für moderne Stadtgeschichte und Erinnerungskultur in Kiel und ist als Privatdozentin für Geschichtsdidaktik an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig.

In Kooperation mit der Oral History Forschungsstelle der Universität Erfurt.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des »Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte« im mon ami und weiteren ausgewählten Veranstaltungsorten statt. Das Festival bietet vom 30.10. bis 01.11. ein vielfältiges, spannendes Programm unter dem Motto » Fakt oder Fake?«. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei und ohne Anmeldung besuchbar. Das gesamte Programm finden Sie hier: weimarer-rendezvous.de/de/programm/

Preis:
Eintritt frei - keine Anmeldung notwendig!

Weitere Informationen:
Website

Veranstaltungsort:
Jugend- und Kulturzentrum mon ami
Goetheplatz 11
99423 Weimar
03643/847711

Veranstalter:
Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte
Gottfried-Keller-Straße 1
99425 Weimar
0162 6863910
Website