Pressmitteilung vom 01.05.2026
Von der Kunst, Natur zu gestalten
Thüringer Gärten und Parks vereinen Tradition und Vielfalt
„Wir bringen dich zum Rasen“ lautet die Einladung der Thüringer Tourismus GmbH im Jahr 2026. Mit diesem schönen Wortspiel rückt der Freistaat seine beeindruckende Garten- und Parklandschaft in das Rampenlicht. Und das ist gar nicht schwer, denn die Thüringer Städte haben in dieser Hinsicht allerhand zu bieten.
Auf den Friedhöfen blüht Besuchern allerhand
Ein zentraler Ankerpunkt ist die Thüringer Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis. In unmittelbarer Nachbarschaft präsentiert sich Mühlhausen unter dem Motto „Bei uns blüht Ihnen was!“ mit einem facettenreichen Programm, das Gartenkunst, historische Architektur und aktive Erholung miteinander verbindet. Wo Geschichte Wurzeln schlägt, verschmelzen monumentale Kulturgeschichte und lebendige Natur zu einer untrennbaren Einheit. Ein besonderes Highlight ist der Neue Friedhof. Als Parkfriedhof konzipiert, bietet er eine einzigartige Symbiose aus Bestattungskultur, Denkmalpflege und botanischer Vielfalt. Eine spezielle Sonderführung gewährt Einblicke in dieses ruhige Naturdenkmal. Ergänzt wird dieses Angebot durch weitere thematische Führungen, die die botanischen Besonderheiten der Stadt und des Mühlhäuser Stadtwaldes erlebbar machen.
Friedhöfe spielen auch andernorts im Freistaat eine Rolle in der Gartenkultur-Landschaft. Der Städtische Friedhof Altenburg ist nicht nur Ort des Gedenkens, sondern zugleich eine parkähnliche Landschaft, in der sich Stadtgeschichte, Architektur und Gartenkunst verdichten. Über Jahrhunderte hinweg wuchs die Anlage zu einem rund fünfzehn Hektar großen Ensemble heran. Gehölze, Wegeführungen, historische Grabmale und bedeutende Bauwerke verleihen dem Friedhof eine stille, eindrucksvolle Atmosphäre. Die neogotische Kapelle am Eingang, die Fürstengruft von 1841, die Gottesackerkirche und das Krematorium mit dem Deckengemälde machen deutlich, wie eng Erinnerungskultur und gestaltete Landschaft hier miteinander verbunden sind.
Der bereits im Mittelalter angelegte Johannisfriedhof in Jena ist eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt. Hier sind die Grabstätten bekannter Jenaer Persönlichkeiten zu finden, unter anderen das Grabmal von Carl Zeiß. Heute wird das Gelände nur noch als Park genutzt. Einmal im Jahr verbinden sich beim Kunstgarten Friedhofs- und Gartenkultur mit Kunst und Begegnungen. Dann präsentieren regionale Künstler ihre Arbeiten inmitten historischer Grabanlagen und alten Baumbestands. Der nächste Termin ist der 27. Juni.
Stadtbilder sind geprägt von jahrhundertlanger Gartenkunst-Tradition
Besonders bekannt ist die Universitätsstadt für ihren Botanischen Garten. Als einer der ältesten botanischen Gärten Deutschlands vereint er wissenschaftliche Sammlung und ästhetische Gestaltung. Thematische Pflanzungen, historische Gewächshäuser und seltene Arten machen ihn zu einem Ort des Lernens und Entdeckens. Zahlreiche Veranstaltungen im Jahresverlauf richten sich an ein breites Publikum. Beliebt ist die Pflanzenraritätenbörse, bei der rund 30 Aussteller seltene Pflanzen präsentieren – von Orchideen über Kakteen bis zu Stauden und Gehölzen. In diesem Jahr findet diese am 14. Juni statt.
Im weitläufigen Paradiespark an der Saale zeigt sich Gartenkunst als offene, lebendige Landschaft. Großzügige Wiesen, alte Baumgruppen und die Nähe zum Fluss machen den Park zu einem beliebten Aufenthaltsort. Einfach mal raus, lesen, joggen, Sonne tanken – der Park ist ideal für die schnelle Auszeit am Rande des Stadtzentrums und zugleich ein Beispiel für die Entwicklung öffentlicher Grünräume im urbanen Kontext.
Ein Kleinod ist der Frommannsche Garten am Fürstengraben. Im früheren Anwesen des Verlegers Frommann gingen einst Schiller, Goethe und ihre Zeitgenossen ein und aus. Jährlich findet im Sommer der Frommannsche Skulpturengarten statt, eine Ausstellung moderner Kunstwerke, die in einen spannenden Dialog mit der historischen Gartenanlage treten.
Auch Altenburg verfügt über eine überaus facettenreiche Gartenkultur. Besonders eindrucksvoll ist der Schlosspark. Wer ihn betritt, bewegt sich durch eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft. Seine Ursprünge reichen bis ins späte 16. Jahrhundert zurück, als östlich des Burgbergs ein Renaissancegarten entstand. Inspiriert von italienischen Vorbildern prägten klare Ordnung, Symmetrie und kunstvoll arrangierte Pflanzungen das Bild. Im 18. Jahrhundert wandelte sich die Anlage zur Bühne höfischer Kultur, im 19. Jahrhundert setzte sich schließlich das Ideal des englischen Landschaftsgartens durch.
Fabrikanten mit grünen Daumen schaffen Kleinode
Ganz anders, aber ebenso prägend für die Altenburger Gartenkunst ist der Park am Großen Teich. Als älteste öffentliche Parkanlage Thüringens verbindet er Natur, Stadt und Freizeitkultur auf besondere Weise. Im Botanischen Erlebnisgarten schließlich verbinden sich Pflanzenreichtum, Wissensvermittlung und bürgerschaftliches Engagement. Die Anlage geht auf einen historischen Fabrikantengarten aus dem Jahr 1928 zurück. Gegründet vom Nähmaschinenfabrikanten Karl K. Dietrich entstand hier ein Garten von bemerkenswerter Qualität mit seltenen Gehölzen, Farnen und Sukkulenten. Heute ist der Botanische Erlebnisgarten ein Ort, an dem sich botanische Sammlung, kulturelle Nutzung und ruhige Aufenthaltsqualität auf besondere Weise ergänzen.
Ebenfalls einem Fabrikanten, nämlich dem Schokoladenfabrikanten Dr. Ernst Hüther, sind die Villa und der Park Bergfried zu verdanken. Auf einer Anhöhe der Feengrotten- und Kurstadt Saalfeld erhebt sich der einstige Wohnsitz – das Ensemble ist mit seiner architektonischen und landschaftlichen Gestaltung ein unverwechselbares Beispiel für die Gartenkunst des Bürgertums im 20. Jahrhundert. Die Villa Bergfried selbst erzählt von einer Zeit, in der Saalfeld ein bedeutender Standort für Industrie und Bürgertum war. Der umliegende Park lädt zu entspannten Spaziergängen ein und über zwei mobile Rundwege erfährt man mehr über die Entstehungsgeschichte der großzügigen Parkanlage. In der kostenfreien Ausstellung im Gärtnerhaus erhält man außerdem zahlreiche Informationen zum Gesamtensemble, zur Schokoladenproduktion in Saalfeld und erhält Einblicke in das Leben des Schokoladenfabrikanten und seiner Familie.
Zwischen schattigen Alleen, sonnigen Teichen und ländlichen Idyllen
Zwischen blühenden Stauden, baumbestandenen Alleen und stillen Oasen lädt Apolda zum Aufatmen ein. In der Herressener Promenade werden Besucher am Eingang von der Dame mit Dobermann empfangen. Entlang an alten Baumriesen und Blumenwiesen wird man um zwei beschauliche Teiche geführt, den Loh- und den Friedensteich. Die Schötener Promenade begeistert im Sommer mit schattigen Wegen und Abkühlung. Die Geschichte der Lindwürmer wird hier erlebbar, ebenso wie Momente der Ruhe an der Bonifatiusquelle. Im Paulinenpark können sich die Kinder auf dem Spielplatz austoben und Erwachsene durch den Terrassengarten flanieren.
Ob der Park an der Ilm mitten in Weimar, die ländliche Idylle von Tiefurt, die barocken Gartenanlagen von Belvedere oder der Schlosspark von Ettersburg: jeder dieser Orte erzählt vom Zusammenspiel von Natur, Kunst und Geist. Wer in Weimar durch diese historischen Parklandschaften streift, wandelt zwischen Bäumen, Blickachsen und auf geschwungenen Pfaden und geht auf eine Reise durch die Park-Epochen. Mit Grund gehören die vier Parks zum UNESCO-Welterbe.
Die etwas versteckten Gärten in der Altstadt sind ebenso erbaulich: Herders Garten hinter der Stadtkirche diente als Küchen- und Ziergarten. Anders der Garten am Kirms-Krackow-Haus: hier erkennt man heute noch immer den Biedermeier. Bis Ende Oktober ist Goethes Hausgarten am Wohnhaus in der Stadt noch geöffnet, bevor er wie das Wohnhaus selbst, den Denkmalpflegern übergeben wird.
Ein Trio einzigartiger Parkanlagen
Drei einzigartige Parks laden zum Entdecken, Verweilen und Erleben ein. Nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt liegt mit dem Hofwiesenpark die größte Parkanlage Geras. Auf rund 30 Hektar verbindet die im Zuge der Bundesgartenschau (BUGA) 2007 entstandene Anlage Natur, Bewegung und Kultur. Charakteristisch sind die großzügigen ovalen Flächen, die vielfältig genutzt werden können – sei es für Erholung, Sport oder Begegnung. Neben weitläufigen Liegewiesen, Spielplätzen und einem gut ausgebauten Wegenetz bietet der Park moderne Sportmöglichkeiten.
Ein zentrales Element ist das Veranstaltungsoval mit großer Bühne, auf der regelmäßig Konzerte und Events stattfinden. Höhepunkt im Jahresverlauf ist das Hofwiesenparkfest. Vom 1. bis 3. Mai wird der Park erneut zur Erlebniswelt mit Live-Musik, Mitmachangeboten, einem Flohmarkt sowie neuen Formaten wie einem Steampunk-Picknick und einem Wanderkino unter freiem Himmel. Ein besonderer Höhepunkt ist die stimmungsvolle Lichternacht am Samstagabend: tausende Kerzen, Lampion- und Fackelumzug und Ballonglühen tauchen den Park in eine einzigartige Atmosphäre.
Barocke Gartenkunst mit Geschichte ist im Küchengarten erlebbar. Mitten in der Stadt, zwischen Orangerie und Theater, liegt dieser. Ursprünglich im 17. Jahrhundert als Nutz- und Lustgarten angelegt, diente er einst der Versorgung der fürstlichen Residenz der Reußen und zugleich der repräsentativen Gartengestaltung. Die Orangerie aus dem 18. Jahrhundert bildet einen architektonischen Höhepunkt.
Der Dahliengarten ist ein besonderes botanisches Highlight und gilt als ältester Dahlienschaugarten Deutschlands. Seit 1928 begeistert er mit einer beeindruckenden Vielfalt: jährlich blühen hier im Spätsommer mehr als 2.200 Dahlien in bis zu 100 Sorten. Neben der Blütenpracht prägen auch künstlerische Elemente das Erscheinungsbild. Die Brunnenplastik „Die Dahlie“ sowie weitere Skulpturen setzen gestalterische Akzente. Ergänzt wird die Anlage durch einen Pavillon, neue Wege und die sogenannte Hochzeitsallee, die im Zuge der BUGA 2007 entstanden sind.
Bad Langensalza blüht auf in zehn Parks und Themengärten
Mit der Öffnung des Japanischen Gartens am 1. März ist Bad Langensalza in die Gartensaison 2026 gestartet –seither verwandelt sich die Stadt Schritt für Schritt wieder in einen blühenden Gartentraum. Mit insgesamt zehn Parks und Themengärten bietet die Kur- und Rosenstadt eine außergewöhnliche Vielfalt, die Gäste auf ganz unterschiedliche Weise erleben können – von fernöstlicher Ruhe bis hin zu farbenprächtigen Blütenlandschaften. Am 1. Mai öffnet mit dem Rosengarten ein weiterer Höhepunkt der Gartensaison.
Neben dem individuellen Gartenerlebnis sorgt ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm für zusätzliche Anreize, Bad Langensalza zu besuchen. Zu den Highlights zählen unter anderem das Märchenfest im Japanischen Garten am 06. Juni, das Picknick-Konzert „Jazz-Sensations“ mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach am 27. Juni und das Tanabata Sternenfest im Japanischen Garten am 10. Juli.
Gartenbautradition trifft auf grüne Oasen
Und zum guten Schluss wartet auch die Landeshauptstadt noch mit reicher Gartenkultur auf. Erfurt ist eine echte Blumenstadt – geprägt von einer jahrhundertealten Gartenbautradition und überraschend vielen grünen Orten mitten in der Stadt.
Wer durch Erfurt spaziert, kann jede Menge grüne Flächen entdecken – die Thüringer Landeshauptstadt verfügt über rund 550 Hektar Parks und Gärten sowie über 1.000 Hektar Wald. Sie laden zum Spazieren, Verweilen und Wandern ein. Das Herzstück dieser grünen Vielfalt ist der egapark. Die 36 Hektar große Anlage gilt als eines der bedeutendsten Gartendenkmale der 1960er-Jahre und zählt zu den schönsten Parkanlagen Deutschlands. Hier wachsen rund 120.000 Pflanzenarten, darunter viele auf Europas größtem ornamental bepflanzten Blumenbeet. Mit Attraktionen wie dem Deutschen Gartenbaumuseum, dem Wüsten- und Urwaldhaus „Danakil“ und weiten Sichtachsen bis zum höchsten Aussichtspunkt der Stadt ist der egapark ein lebendiges Schaufenster der Erfurter Gartenkultur. In diesem Jahr feiert der Park sein 65-jähriges Jubiläum und rückt damit die Bedeutung dieses besonderen Kultur- und Gartendenkmals erneut in den Fokus.
Mitten in der Altstadt liegt der Klostergarten des Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt – ein Ort, der die ursprüngliche Bedeutung von Gärten im klösterlichen Leben widerspiegelt. Ein besonderes florales Highlight auf dem Gelände des Evangelischen Augustinerklosters ist die sogenannte Rosenkirche – ein Kirchenraum unter freiem Himmel. Entstanden zur Bundesgartenschau 2021, bildet sie mit Apfelbäumen als „Kirchenschiff“ und üppig bepflanzten Beeten als Seitenschiffen außergewöhnliche Verbindung aus Natur und Spiritualität.
Im Norden der Stadt erstreckt sich zudem mit der Geraaue eines der beliebtesten Naherholungsgebiete. Etwas außerhalb, aber eng mit Erfurt verbunden, liegt der Park von Schloss Molsdorf. Die Anlage geht auf das frühe 18. Jahrhundert zurück und wurde als barocker Garten mit strenger Achsführung, Kanälen und Skulpturen angelegt und wandelte sich später zu einem Landschaftsgarten.
Ein weiteres grünes Kleinod findet sich auf der Zitadelle Petersberg: der Kommandantengarten. Auf der Bastion Kilian gelegen, verbindet er barocke Gartenkunst mit beeindruckenden Ausblicken durch die Festungslandschaft. Ebenfalls auf der Zitadelle Petersberg beheimatet, lädt die fantasievolle Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ in der ehemaligen Klosterkirche St. Peter und Paul zu einer eindrucksvollen Reise durch elf Thüringer Gärten ein, die unterschiedliche Vorstellungen vom Paradies auf Erden widerspiegeln.
Und so verbinden sich bis zuletzt Natur und Kultur, wie es über die Jahrhunderte zur Tradition geworden ist. Jetzt gilt es nur noch die Einladung anzunehmen – und die Rasen quer durch Thüringen zu erkunden.