Friedrich Nietzsche hat mit seinen Schriften die bildende Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts maßgebend geprägt. Sein Ruf nach einer „Umwertung aller Werte“ bot insbesondere den sezessionistischen Künstlern und auch Künstlerinnen eine Folie für ihre Ablehnung der herrschenden konservativen Kultur des Kaiserreichs und das Verlangen nach einer geistigen, kulturellen und künstlerischen Erneuerung. Auch der Leipziger Grafiker, Maler und Bildhauer Max Klinger (1857–1920) zählte zu diesen Kreisen. Stand er in jungen Jahren vor allem unter dem Einfluss der Philosophie Arthur Schopenhauers, so lassen sich mit Beginn der 1890er Jahre Gedanken Nietzsches in seinem Werk nachweisen. Nietzsche und Klinger sind sich nie persönlich begegnet. Gleichwohl schuf der Künstler mit der Hermenbüste des Philosophen im Nietzsche-Archiv Weimar eines der für den Nietzsche-Kult im 20. Jahrhundert zentralen Bildnisse.Die Referentin Dr. Conny Dietrich ist selbständige Kunsthistorikerin. Sie lebt und arbeitet in Jena und ist als Ausstellungskuratorin, wissenschaftliche Autorin, Lektorin, Projektkoordinatorin, Max-Klinger-ExpertinKunsthistorikerin tätig.