Kunstfest Weimar 2026 – Retrospektive Thomas Heise
Im Rahmen des Kunstfestes zeigen wir eine Retrospektive zu den Filmen von Thomas Heise (1955 - 2024). Heises Filme zeichnen sich durch lange Gespräche, klug ausgewählte Bilder und die Offenheit aus, die eigene Sicht konsequent herauszufordern. Persönliche Geschichten werden mit deutscher Geschichte enggeführt und werfen als dokumentarische Zeugnisse noch heute wesentliche Fragen zu den Umbrüchen in (Ost-)Deutschland auf.
KINDER. WIE DIE ZEIT VERGEHT
Obwohl eine Familie im Zentrum des Dokumentarfilms steht, zeigt sich nur selten ein familiäres Miteinander. Thomas Heise widmet sich den einzelnen Personen getrennt, führt persönliche Gespräche und dokumentiert ihren Alltag in kurzen, bündigen Einstellungen. Dabei macht er die Einsamkeit und Verletzlichkeit der Protagonisten spürbar. An einigen Stellen hört man Heise aus dem Off eine Frage stellen, ansonsten hält sich der Regisseur zurück, sogar bei kontroversen Äußerungen. Den trostlos wirkenden Alltag der Menschen kontrastiert er mit atmosphärischen Aufnahmen von der traumhaft wirkenden Industrielandschaft bei Nacht oder künstlich eingesetztem Vogelgezwitscher auf der Tonspur. Der dritte und letzte Film der Halle-Neustadt-Trilogie wurde 2007 auf dem Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm Leipzig mit der Silbernen Taube ausgezeichnet.
DE 2007, 86 min, FSK o.A. (empfohlen ab 14 Jahren), R: Thomas Heise