Vortrag und Buchvorstellung mit Jan Gerber
Die Erinnerung an den Holocaust schwindet, seine Singularität wird zusehends infrage gestellt. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, daran zu erinnern, dass sich die Erkenntnis von der Besonderheit des Verbrechens erst spät durchsetzte. Die Unterschiede zwischen Konzentrations- und Vernichtungslagern, zwischen Buchenwald und Birkenau, Belsen und Belzec, waren lange kaum jemandem bewusst. Auch die Erinnerung begann zeitlich verzögert. Der Holocaust bewegte sich erst seit den Siebzigern aus den Vororten des Gedächtnisses an den Zweiten Weltkrieg in sein Zentrum.
Jan Gerber geht den Ursachen dieser Entwicklung nach. Damit fragt er zugleich nach den Bedingungen von Erinnerung und Erkenntnis – von Bedingungen, die gegenwärtig zu erodieren scheinen. Die Gedächtnisgeschichte des Holocaust wird mit der Politik‑, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts verbunden. Auf diese Weise werden die aktuellen Debatten über die Bedeutung des Holocaust, sein Verhältnis zu den Kolonialverbrechen und die Politik Israels historisch eingeordnet. Es entsteht eine integrierte Geschichte der Holocausterinnerung.
Jan Gerber ist Politikwissenschaftler und Historiker. In der Edition Tiamat ist er Mitherausgeber der "Hallischen Jahrbücher" und der Reihe "Theorie & Debatte". Darüber hinaus ist er Autor des Buchs "Das Verschwinden des Holocaust. Zum Wandel der Erinnerung", das bei gleicher Gelegenheit vorgestellt werden soll.
Preis:
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Weitere Informationen:
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Veranstaltungsort:
Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena // Hörsaal 3
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
+49 (0) 3641 9-4000
Veranstalter:
Lehrstuhl für Sozialpsychologie, Institut für Psychologie
Humboldtstraße 26, 07743 Jena
07743 Jena
017631344354
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