Siegfried Kracauers 1969 veröffentlichte Studie History, the Last Things Before the Last zählt zu den wichtigsten geschichtstheoretischen Arbeiten des 20. Jahrhunderts. Besonders mit Blick auf die Neuere und Neueste Geschichte lohnt sich die Auseinandersetzung mit Kracauers ebenso eigensinnniger wie unheroischer Gedankenwelt. Seine Geschichtstheorie bietet sich an, um zwei Jahrhunderte neu zu entdecken, die ganz im Zeichen von abstrakten Schlagworten und gewichtigen Gesamtdarstellungen stehent, die einschüchtern statt Neugier zu wecken. Als Geschichtstheoretiker stand Kracauer den Gewissheiten der Geschichtsphilosophie ebenso skeptisch gegenüber wie dem Szientismus der historischen Sozialwissenschaft. Stattdessen plädierte er dafür, genau hinzuschauen und die historische Wirklichkeit im Detail zu entdecken. Der Verzicht auf letzte Fragen, eindeutige Antworten und analytische Präzision öffnet den Blick für Widersprüche und Paradoxien, Zwischenräume und Ambivalenzen.