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    18.09.2012

    Brisanz und Tradition

    Oder warum Sie nicht versäumen sollten, bei Ihrem Besuch in Thüringen einen Theaterabend einzuplanen.

    Der Sommer geht zu Ende und die neue Theatersaison in einer der dichtesten Theaterlandschaften Europas beginnt.

    Was bringt die Spielzeit 2012/2013 in den Thüringer Theatern, was erscheint spannend, unterhaltend und wann lohnt es sich besonders, eine Reise in eine der kulturreichen Thüringer Städte mit einem Theaterbesuch zu verbinden?

     

    Das Theater Erfurt - eine der schönsten modernen Spielstätten überhaupt - wurde 2003 als Opernhaus eingeweiht. In der kommenden Spielzeit lädt das Theater Erfurt unter dem Motto „Fremd*Gehen“ auf eine musikalische Weltreise ein. Sie beginnt mit Händels Oper „Julius Caesar“ in Ägypten (Premiere 03.Nov.), entführt das Publikum mit Leoncavallos Oper „Die Medici“ (Premiere 16. März) ins Florenz der Renaissance und macht mit Bizets „Carmen“ (Premiere 30. Sept.) und dem klassischen Musical „Anatevka“ (Premiere 20. April) in Spanien und der Ukraine Station.

    Zu Beginn der Spielzeit nimmt Erfurt mit dem „3. Internationalen Tanztheaterfestival“ vom 15. Sept. bis 13. Okt. die innovative, zeitgenössische Tanztheaterszene in den Focus. Inszenierungen wie „Schwarze Katze“ mit Brakedancern und einem Flatland BMX-Fahrer sowie „Dreamlines“ wenden sich besonders an das junge Publikum.

     

    Als Weltreise ist auch der Spielplan des Theaters Altenburg lesbar.

    Wenn in Südeuropa empörte Frauen Supermärkte ausrauben, antwortet das Theater Altenburg mit  Dario Fo’s „Bezahlt wird nicht“. Wächst in Deutschland die Arroganz gegenüber Griechenland, so bietet eine Begegnung mit Christa Wolfs „Kassandra“ und antiken Keramiken im benachbarten Lindenau-Museum einen neuen Blick auf unser kulturelles Erbe. Deutsche und afrikanische Darsteller aus Burkina Faso entwickeln gemeinsam das Weihnachtsmärchen „Ayana Rabenschwester“ sowie ein szenisches Konzert mit Orgel und afrikanischem Erzähltheater über das Leben Albert Schweitzers.

     

    In Meiningen wagt sich Intendant Haag mit einem hervorragenden Sängerensemble an die deutsche Erstaufführung der kasachischen Oper „Abai“. (Premiere 21. Sept.) Die Oper adaptiert den Shakespeare-Stoff „Romeo und Julia“ in die islamische Lebenswelt.

    Kulturgeschichtliche Brisanz besonders im Wagner Jahr 2013 verspricht das von Reinhard Baumgart geschaffene Stück „Wahnfried“ (Premiere 13. Jan.). Eine Frau, Anfang Dreißig, verheiratet, vier Kinder, trifft im Landhaus eines alternden Komponisten ein, um ihr Leben endgültig mit dem seinen zu verbinden. Bei der jungen Frau handelt es sich um keine geringere als Cosima von Bülow, geb. Liszt, und der alternde Komponist ist natürlich Richard Wagner.

     

    Über das vielseitige Veranstaltungsprogramm im Wagner-Jahr 2013 in Thüringen informiert die Plattform wagner.thueringen-entdecken.de.

     

    Mit „Spieltrieb“ (Premiere 21. März) nach dem Roman von Juli Zeh bringt das junge Schauspiel Eisenach die brisante Frage nach den Grenzen der Freiheit auf die Bühne.

    Ein Besuch des traditionsreichen Hauses lohnt also nicht nur um das in neuem Glanz erstrahlende klassizistische Gebäude zu bewundern.

     

    Nicht nur Goethe und Schiller, sondern auch Shakespeare ist eng mit Thüringen verbunden. Vor allem die Theater in Weimar und Meiningen haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Stücke des großen Briten im 19. Jahrhundert nach langer Zeit wieder auf die deutschen Bühnen zurückkehrten.

     

    Shakespeare wird Patron des Spielplans 2012 bevor das Deutsche Nationaltheater Weimar die Handschrift des neu verpflichteten Intendanten Hasko Weber bekommt. Lisa Nielepock, die bereits in der vergangenen Spielzeit mit einem sehr emotionalen „Prinz Friedrich von Homburg“ brillierte, inszeniert sein spätes poetisches Stück „Das Wintermärchen“(Premiere 20. Sept.). Die Oper eröffnet mit Verdis „Falstaff“ (Premiere 22.Okt.) und stellt damit eine der brachialsten und lebendigsten Gestalten des Shakespeare-Kosmos in den Mittelpunkt. Regie führt Sabine Hartmannshenn, die zuletzt mit aufsehenerregenden Produktionen in Brüssel Düsseldorf und Köln von sich reden machte.

     

    Auch das Theater in Gera nimmt sich dieses Shakespeare-Stoffes in Form von Otto Nicolais komisch-phantastischer Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ an. (Premiere 08. März).

    Mit der Inszenierung der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ von Schostakowitsch (Premiere 8. Feb.) bleibt das Theater Gera dem Themenkanon von Shakespeare verpflichtet. Die musikalisch und inhaltlich dramatische Geschichte um die unglückliche Kaufmannsfrau Katharina wird von Kay Kuntze in der Originalversion auf die Bühne gebracht, die in der Sowjetunion nicht gespielt wurde.

     

    Unter Anspielung auf Schillers Zuneigung zu den beiden Schwestern von Lengefeld wirbt Rudolstadt mit dem Slogan Schillers heimliche Geliebte, also nicht Iphigenie oder doch? Schillers Tragödie „Iphigenie in Aulis“ (Premiere 6. April) kehrt an den Ort ihrer Entstehung zurück und ist wahrscheinlich erstmalig auf einer Thüringer Bühne zu sehen. Begeistert von der dichterischen Vollkommenheit der Goetheschen „Iphigenie auf Tauris“ wagte er sich während seines Rudolstädter Aufenthalts 1788 an die Vorgeschichte dieser berühmten Frauengestalt. Sein hochpolitisches Stück handelt von der psychologischen Mobilmachung zu einem riskanten Krieg. Das Regieteam Alexander Stillmark und Volker Pfüller ist bekannt für publikumsnahes und brisantes Theater.

    Ebenfalls brisant dürfte die Inszenierung von Volker Brauns „Die hellen Haufen“ (Premiere 16. Feb.) werden. Diese Geschichte berichtet von Unerhörtem, von einer Rebellion in Ostdeutschland.

     

    Die ausschweifenden Verschwörungstheorien und Untergangsfantasien zum 21. Dezember 2012  nimmt das Theaterhaus Jena zum Ausgangspunkt eines Festivals.

    Vom 14. bis zum 21. Dezember dreht sich unter dem Titel „Chance 2012“ alles um den Weltuntergang. Eigene Produktionen wie „Stadt der Blinden“ und das „Gaddafi Musical“, Gastspiele und Gesprächsforen zeigen Alternativen zum „bevorstehenden“ Untergang auf. Die Spielzeit im Zeichen der Apokalypse beginnt in Jena bereits am 25. Oktober mit einer kraftvollen Bilderschlacht -  „Der Offenbarung nach Johannes“

    Das Tanzfestival „Theater in Bewegung“ widmet sich dem menschlichen Körper als Ausdrucksmittel. Bekannte Choreografen wie Ismail Ivo, Susanne Linke und Joachim Schlömer und junge Choreografen wie Samir Akika und Jochen Roller greifen mit ihren Arbeiten brisante Themen auf.

     

    Vergessen Sie also nicht, sich vor ihrem Thüringen-Besuch um ein Theaterticket zu kümmern, die Spielpläne für jeden Tag ihres Aufenthalts finden sie hier:

     

    www.theater-erfurt.de

    www.tpthueringen.de (Gera und Altenburg)

    www.das-meininger-theater.de

    www.nationaltheater-weimar.de

    www.theater-rudolstadt.com

    www.theaterhaus-jena.de


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    2012-08-28_Brasanz_und_Tradition.pdf


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